Klaus Rohwer 

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Harmonikainstrumente

Außer der Mundharmonika gehören zu den Harmonikainstrumenten auch die Melodicas, die Handharmonikas (z. B. Akkordeon, Konzertina, Bandoneon) und das Harmonium sowie einige Instrumente, die nur noch von historischem Interesse sind. Sie alle erzeugen die Töne mittels "durchschlagender Stimmzungen", kleinen Metallplättchen, die über Öffnungen in einer Grundplatte (der Stimmplatte) angebracht sind und durch einen Luftstrom in Schwingung versetzt werden.

Mundharmonikas

Bei Mundharmonikas wird -- wie der Name schon sagt -- der Luftstrom mit dem Mund erzeugt. Der andere Teil des Namens (Harmonika) rührt daher, dass man sich auf dem Instrument beim Melodiespiel mit Akkorden (Harmonien) selbst begleiten kann -- zumindest war das einmal so gedacht. Neben den sogenannten Melodieinstrumenten gibt es auch reine Begleit- sowie Bass-Mundharmonikas.

Abbildung 1: Aufbau einer Mundharmonika, schematisch und stark vereinfacht! Die Deckel wurden der Übersichtlichkeit halber ganz weggelassen.Aufbau einer Mundharmonika (schematisch)

Die Bestandteile der Mundharmonika sind (siehe Abbildung 1): Kanzellenkörper, Stimmplatten, Stimmzungen und Deckel. Bei manchen Exemplaren gibt es noch ein extra Mundstück, das bei chromatischen Instrumenten einen beweglichen Schieber enthält, der von einer Feder in seine Ruheposition gedrückt wird. Manche Mundharmonikas (insbesondere chromatische) enthalten Ventile, die den Luftstrom nur in jeweils einer Richtung an die entsprechende Stimmzunge heran lassen. Das spart dem Spieler Luft und macht das Instrument bei gleichem Luftstrom lauter, schränkt aber die Anwendung gewisser Spieltechniken (Bending, Overbending, siehe unten, sowie in meiner "Kleinen Mundharmonikaphysik") ein.

Der Kanzellenkörper enthält Aussparungen, die Luftkanäle (Kanzellen), in denen auch die Stimmzungen schwingen. Diese sitzen auf den Stimmplatten über jeweils einem Stimmzungenschlitz, durch den der Luftstrom beim Spielen hindurch geht und die Stimmzunge zu Schwingungen anregt (Wie, das steht in meiner "Kleinen Mundharmonikaphysik"). Ein Ende der Stimmzunge, der sogenannte Stiefel, ist auf der Stimmplatte befestigt (meist genietet, seltener geschweißt, geschraubte Stimmzungen sind bisher nicht serienmäßig erhältlich), das andere Ende kann frei im Schlitz schwingen. Daraus folgt, dass die Abmessungen der Stimmzunge stets kleiner sein müssen als die des Schlitzes, aber nur Bruchteile eines Millimeters!

Die meisten Mundharmonikas erzeugen sowohl auf Blasen als auch auf Ziehen Töne. Eigentlich sollte man gar nicht von "Blasen" und "Ziehen" sprechen, viel besser ist es, durch die Mundharmonika ein- und auszuatmen. Die Begriffe "Blasen" und "Ziehen" lassen eher an einen Kraftakt denken (man denke an das Blasen einer Trompete oder gar einer Oboe!), dessen es bei der Mundharmonika gar nicht bedarf. Im Gegenteil, man sollte bei der Mundharmonika mit dem Luftstrom eher sanft umgehen, sonst ist den Stimmzungen kein langes Leben beschieden. Natürlich werden besonders Blues- und Rock-Mundharmonikaspieler auch gerne mal mit viel Druck spielen, aber sie müssen dann eben auch mit einem hohen Verschleiß ihres Instruments rechnen. Ich werde dennoch im Folgenden von "Blasen" und "Ziehen" sprechen, weil das einfach so üblich ist.

Im Allgemeinen haben der Blas- und der Ziehton in der selben Kanzelle eine unterschiedliche Tonhöhe. Blas- und Ziehton werden von verschiedenen Stimmzungen erzeugt, die man entsprechend Blaszunge und Ziehzunge nennt. Die Blaszungen sitzen auf derjenigen Seite der Stimmplatte, die zum Inneren der Mundharmonika zeigt, die Ziehzungen auf der Außenseite der Stimmplatte. Oder anders ausgedrückt: die Stimmzungen werden durch denjenigen Luftstrom in Bewegung gesetzt, der sie zunächst mal in den Stimmzungenschlitz hineindrückt. Dies gilt jedenfalls bei der normalen Spieltechnik; es gibt aber Spieltechniken, bei denen es anders ist (Bending, Overbending). In der obigen Abbildung 1 wäre demnach die obere Stimmplatte mit den Ziehzungen und die untere Stimmplatte mit den Blaszungen bestückt. In Wirklichkeit ist meistens die Stimmplatte mit den Blaszungen oben, aber das könnte man nicht so schön in einer "Explosionszeichnung" wie Abb.1 darstellen.

Die Frequenz, auf der eine Stimmzunge im Luftstrom schwingt -- ihre Tonhöhe -- hängt von mehreren Faktoren ab: von der Dichte und der Elastizität des Stimmzungenmaterials sowie von der Dicke und Länge der Stimmzunge. Da innerhalb einer Mundharmonika die Zungen aus gleichem Material bestehen, wird ihre Tonhöhe in erster Linie von den Abmessungen der Stimmzungen bestimmt. Die längsten Zungen ergeben die tiefsten, die kürzesten die höchsten Töne. (Wer sich für die Schwingungsformen von Stimmzungen interessiert, findet etwas darüber in meiner "Kleinen Mundharmonikaphysik".) Die Töne sind in der Regel so sortiert, dass ihre Frequenzen von links nach rechts aufsteigen. Wenn hier von "links" und "rechts" die Rede ist, so ist damit diejenige Haltung der Mundharmonika gemeint, die eigentlich vorgesehen ist und die Rechtshänder auch so verwenden sollten (aber nicht müssen!). Meist trägt einer der beiden Deckel Nummern für die Kanäle; man hält die Mundharmonika wie vorgesehen, wenn der Deckel mit den Nummern oben ist.

Linkshänder sollten sich nicht unbedingt an diese Regel halten. Sie haben es oft einfacher, wenn sie das Instrument "auf dem Kopf" halten.

Zum Thema "Haltung der Mundharmonika" gäbe es noch etwas zu sagen: die meisten Rechtshänder halten die Mundharmonika mit der linken Hand fest, die meisten Linkshänder mit der rechten. Es gibt aber keinen besonderen Grund dafür. Wer es anders machen möchte, kann dies gerne tun.

Man kann die verschiedenen Mundharmonikamodelle nach ganz unterschiedlichen Kriterien in Gruppen einteilen:

Diese Gruppen kann man jeweils wieder nach weiteren Kriterien unterteilen. Wer eine Übersicht über die Verwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Mundharmonikatypen sucht, findet sie in meiner Tabelle "Welche Mundharmonika für welchen Zweck?".

Melodieinstrumente

Melodieinstrumente heißen nur deswegen so, um sie von reinen Begleit- und Bassinstrumenten (siehe unten) zu unterscheiden. Man kann natürlich nicht nur Melodien, sondern auch Begleitungen darauf spielen. Eigentlich war es sogar einmal so gedacht, dass man gleichzeitig (genauer: im Wechsel, mit Hilfe der Zungenschlag-Technik) Melodie- und Begleittöne darauf spielt.

Um die Anordnung der Töne auf den verschiedenen Mundharmonikas besser zu verstehen, ist das Konzept der Kernoktave nützlich (siehe auch Abb. 2). Diese Bezeichnung wurde von Steve Baker und Hermann Demmler eingeführt [1]. Die Kernoktave kommt in fast allen Melodie-Mundharmonikas vor und besteht aus den Tönen der Tonleiter, in der die betreffende Mundharmonika gestimmt ist. Als Beispiel sei hier C-Dur genannt:

Blasen: C -- E -- G -- C
Ziehen: D -- F -- A -- B*

Das bedeutet, dass beim Blasen in die Kanäle der Kernoktave nacheinander die Töne C, E, G und C erklingen, wenn man sich mit dem Mund von links nach rechts bewegt. Das rechte C ist eine Oktave höher als das linke C. Beim Ziehen (Saugen) an den Kanälen der Kernoktave erklingen (von links nach rechts) nacheinander die Töne D, F, A und B, wobei hier die international übliche Bezeichnung B statt des deutschen H steht -- deshalb das *Sternchen. (Das deutsche B wird international als Bb bezeichnet.)

Tonanordnungen auf verschiedenen Mundharmonikas

Abbildung 2: Tonanordnungen auf den wichtigsten Mundharmonikatypen (hier beispielhaft nur in C-Dur dargestellt); zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken! (Öffnet neues Fenster). Für eine Gesamtübersicht aller wichtigen Mundharmonikatypen habe ich ein Poster (PDF) im DIN-A2-Format erstellt. Im Original-Acrobat-Reader sieht es besser aus als im PDF-Betrachter des Browsers! Sie können es auch im DIN-A3- oder DIN-A4-Format ausdrucken, oder es auf einen USB-Stick ziehen und es im Copyshop in Originalgröße ausdrucken lassen.

Von "Blasen" und "Ziehen" (oder "Saugen") sollte man eigentlich gar nicht sprechen: Das Spielen der Mundharmonika sollte -- anders als bei z.B. Blechblasinstrumenten wie der Trompete -- kaum Kraft erfordern! Viel eher würden es die Begriffe "Einatmen" und "Ausatmen" treffen, aber leider hat sich "Blasen" und "Ziehen" völlig eingebürgert.

Spielt man also (in diesem Beispiel) eine C-Dur-Tonleiter C -- D -- E -- F -- G -- A -- B -- C, dann wechseln sich in der Kernoktave Blasen und Ziehen immer ab, bis auf den Übergang von A nach B (2 x Ziehen)!

Bei den meisten Melodie-Mundharmonikas findet man die Kernoktave in der Mitte, und links und rechts davon weitere Oktaven, in denen sich die Tonanordnung von der Kernoktave unterscheiden kann, aber nicht muss. Es gibt sogar Mundharmonikas, die nur aus der Kernoktave bestehen: die Mini-Mundharmonikas (Beispiel in Abb. 3), die die meisten Mundharmonikahersteller zu Werbezwecken oder als Gag-Instrumente anbieten.Mini-Mundharmonika
Abb. 3: Mini-Mundharmonika (vergrößert)

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Literatur- und Quellenhinweise
Welche Mundharmonika für welchen Zweck?

Ich danke den Firmen Hohner, Huang Inc. und GEWA (deutscher Distributor für Huang, Victory und Tombo-/Lee-Oskar-Produkte) für die Bereitstellung von Abbildungen. Weitere Abbildungen habe ich den Internetseiten der jeweiligen Hersteller entnommen.


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(c) 2003 Klaus Rohwer