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Elektrische und elektronische Mundharmonikas

Die Entwicklung elektrischer bzw. elektronischer Mundharmonikas zielt darauf ab, einerseits die Rückkopplungsneigung bei der Verstärkung konventioneller Mundharmonikas zu überwinden und andererseits -- wie bei der E-Gitarre -- völlig neue Klangmöglichkeiten zu eröffnen.

Das Pendant zur E-Gitarre, die E-Mundharmonika, gibt es inzwischen (Stand 2013) tatsächlich zu kaufen, und zwar bei der Firma TurboHarp (USA), die TurboHarp ELX [17] (Abb. 22). Die TurboHarp ELX beruht auf Sensoren, die jede einzelne Stimmzunge abtasten, ähnlich wie die Tonabnehmer an den Saiten einer elektrischen Gitarre.

Abb. 22: Elektrische Mundharmonika TurboHarp/ELX, schematische Zeichnung TurboHarp ELX

Solch eine Mundharmonika hat der Autor 1999 unabhängig von AntakaMatics ebenfalls erfunden und 2007 dann auch realisiert, nachdem die TurboHarp ELX zu dieser Zeit immer noch nicht auf den Markt gekommen war. Er spielt sie seitdem auch auf der Bühne und hat damit ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis gestellt. Der Klang unterscheidet sich nur wenig von dem einer konventionell verstärkten Mundharmonika, außer bei den tiefen Tönen, die länger nachklingen. Wer sie nachbauen oder weiterentwickeln möchte, findet die Grundlagen ebenfalls auf dieser website beschrieben unter dem Stichwort Elektrische Mundharmonika.

Als "the world's first electric harmonica" werden Instrumente der englischen Firma haRmonic solutions [18] angepriesen. Es gibt sie sowohl in diatonischer als auch in chromatischer Ausführung, die jeweils auf Mundharmonikamodellen der Firma Hering [14] beruhen. Da sie aber lediglich eingebaute Mikrofone enthalten, entsprechen sie eher der Akustikgitarre, die es ebenfalls mit integriertem Mikrofon gibt. Die klanglichen Möglichkeiten gehen denn auch nicht über die der konventionell verstärken Mundharmonika hinaus, und die Rückkopplungsgefahr ist auch nicht vollständig gebannt (wie sich der Autor selbst überzeugen konnte).

Eine rein elektronische "Mundharmonika" ist dagegen der sogenannte Millioniser 2000/2001 [19], eine Erfindung des Schweizer Mundharmonikaspielers Walt Miller (eigentlich Walter Müller [20]). Das Wort Mundharmonika steht hier in Anführungszeichen, denn es handelt sich dabei nicht um ein Instrument mit durchschlagenden Stimmzungen, sondern um ein Interface für (zunächst analoge, später auch MIDI-) Synthesizer, das eine der Mundharmonika entsprechende Spielweise ermöglicht. Die Tonerzeugung erfolgt nicht im "Instrument" selbst, sondern rein digital im angeschlossenenSynthesizer. Dieser bestimmt auch vollständig die Klangmöglichkeiten. Der Teil, den der Spieler in der Hand hält, enthält ein Mundstück, das man zwischen die Lippen klemmt und auf dem in der Hand gehaltenen Gehäuse mit dem Mund hin und her schiebt. Diese Mundstück enthält einen Blaswandler (ähnlich wie in anderen elektronischen Blasinstrumenten wie dem EWI von Akai auch), der die Lautstärke bestimmt, während die Position des Mundstücks auf dem Gehäuse sowie die Luftrichtung (Blasen/Ziehen) den gespielten Ton festlegt. Da es keine Mikrofone und keine Tonabnehmer gibt, sind Rückkopplungen ausgeschlossen. Die Jazz-Mundharmonikaspieler Wim Dijkgraaf (Niederlande) und Eddie Gordon (USA) gehören zu den Wenigen, die mit dem Millioniser experimentiert haben. Das Instrument scheint aber derzeit (Stand November 2018) nicht auf dem Markt verfügbar zu sein.

Digitale "Mundharmonika" DM48 Lekholm Instruments DM48

Ebenfalls eine rein elektronische "Mundharmonika", ebenfalls ohne Stimmzungen, ist die DM48 Digital Harmonica von Lekholm Instruments aus Göteborg (Schweden). Im Unterschied zum Millioniser 2000 scheint dieses Instrument erhältlich zu sein, wenn auch nur in Einzelanfertigungen. Es handelt sich um ein reines MIDI-Controller-Instrument mit zwölf Drucksensoren, das über ein USB-Kabel an einen Hardware-MIDI-Synthesizer oder einen Computer mit Software-Synthesizer angeschlossen wird. Die Spielweise ist genau die gleiche wie auf einer chromatischen Mundharmonika mit drei Oktaven, nur dass dem Spieler jetzt sämtliche Klänge seines Synthesizers zur Verfügung stehen. Der Schieber ist durch einen Taster ersetzt. Daneben weist das Instrument noch mehrere Schalter/Taster auf, mit denen weitere Umschaltungen vorgenommen werden können. Bending ist eigentlich nicht möglich, nicht einmal das eingeschränkte Bending einer chromatischen Mundharmonika, kann aber durch eine Tonhöhenabhängigkeit bei hohen (positiven oder negativen) Spieldrücken simuliert werden. Die Firma weist auf ihrer website ausdrücklich darauf hin, dass der Klang einer konventionellen Mundharmonika nur unvollkommen nachgebildet werden kann. Den Videos auf der website zufolge scheint die DM48 besonders gut für Flöten-, aber auch für Saxophonklänge geeignet zu sein. Die Zuordnung von Tönen zu Kanälen soll vollkommen flexibel sein, so dass Sonderstimmungen rein softwaremäßig eingestellt werden können. Für Demo-Videos konnte Lekholm offenbar Laurent Maur, Adam Glasser und Brendan Power gewinnen.

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Literatur- und Quellenhinweise
Welche Mundharmonika für welchen Zweck?

Ich danke den Firmen Hohner, Huang Inc. und GEWA (deutscher Distributor für Huang, Victory und Tombo-/Lee-Oskar-Produkte) für die Bereitstellung von Abbildungen. Weitere Abbildungen habe ich den Internetseiten der jeweiligen Hersteller entnommen.


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