Tipps zur Modellauswahl - Verstärkung - Wartung und Pflege - Stimmen und Lösen - Modifizieren Zwei Hinweise, die man nicht oft genug wiederholen kann
Modifizieren
- Linksverkehr
Den Schieberknopf von der rechten auf die linke Seite verlegen - wozu das? Ich
bin Linkshänder, habe mir aber angewöhnt, die hohen Töne ganz
normal auf der rechten Seite zu haben. Damit ich nicht eine
Rechtshänder-Handhaltung einnehmen muss, die für mich etwa so ist,
wie das Fahren mit einem linksgesteuerten Auto in England, muss ich also den
Schieber so umbauen, dass ich ihn mit der linken Hand betätigen kann.
Wer als Linkshänder neu ist auf der Mundharmonika sollte sich am besten -
anders als ich es getan habe! - angewöhnen, die Seite mit den hohen
Tönen und dem Schieberknopf nach links zu nehmen. Das spart einem viel
Arbeit! Wenn Du dazu gehörst, brauchst Du diesen Abschnitt gar nicht zu
Ende zu lesen.
Wenn Du aber vor dem selben Problem stehst wie ich, dann wird Dir das Spielen
auf einer umgedrehten normalen Chromatischen vorkommen wie der Versuch, dem
Linksverkehr in England durch ständiges Rückwärtsfahren zu
begegnen! Also bleibt nur der Umbau des Schiebers.
Die folgende Beschreibung funktioniert so oder so ähnlich bei allen
chromatischen Mundharmonikas, die ich kenne, bis auf die CX-Modelle von Hohner.
Bei diesen habe ich es nach umfassender Inspektion im Musikgeschäft
aufgegeben, den Schieber-Umbau zu versuchen: der Kanzellenkörper ist
asymmetrisch und hat nur auf einer Seite eine Aussparung zur Halterung der
Schieberfeder. Auf der anderen Seite läßt sich aus Platzgründen
so eine Aussparung gar nicht anbringen.
Bevor man das Mundstück mit dem Schieber abbaut, sollte man sich notieren,
welche Öffnungen der Schieber im ungedrückten Zustand freigibt.
Diesen Zustand muss man später mit umgedrehtem Schieber wieder herstellen.
Das Mundstück wird in der Regel von je einer Schraube auf der linken und
auf der rechten Seite gehalten. Auf diesen Schrauben stecken auf der Innenseite
kleine Röhrchen aus Kunststoff (als Abstandshalter und zu Dämpfung
des Schieberanschlags), die man auffangen und sorgfältig aufbewahren
sollte. Beim Auseinandernehmen des Schieberpakets, das aus mehreren
unterschiedlich geformten Blechstreifen besteht, sollte man genau darauf
achten, wie es zusammen gesetzt war.
Als nächstes muss die Feder, die den Gegendruck für den Schieber
erzeugt, herausgenommen und umgedreht werden. Das geht in den meisten
Fällen nur, indem man die Stimmplatten entfernt. Sollten die Stimmplatten
genagelt sein, so sollte man sich an dieser Stelle überlegen, ob man die
Nägel nicht durch Schrauben erstetzt (Siehe meinen Abschnitt über
"Stimmplatten verschrauben").
Die Feder muss so wieder eingesetzt werden, dass sie hinterher in die
entgegengesetzte Richtung drückt wie vorher. Das geht mitunter nur, wenn
man die Feder verbiegt! Man sollte auch kontrollieren, dass die Federkraft in
dieser Richtung weder zu stark noch zu schwach ist. Manchmal hat man die Wahl
zwischen verschiedenen Punkten im Kanzellenkörper, die als Widerlager
für das andere Ende der Feder dienen können und kann damit die
Federkraft beeinflussen.
Alsdann kann man daran gehen, den Schieber an die veränderte Situation an
zu passen: dazu legt man den Rumpf der Mundharmonika (Kanzellenkörper mit
Stimmplatten) mit den Öffnungen nach oben auf den Tisch und das Teil des
Schieberpaketes, das hinter dem eigentlichen Schieber saß, darauf. Die
richtige Richtung erkennt man daran, dass ein Schlitz da ist, durch den das
Ende der Feder ragen kann. Darauf kommt dann der Schieber, jetzt mit dem Knopf
in Richtung der tiefen Töne. Dabei muss man Acht geben, dass die Anordnung
der Öffungen im Schieber genau so ist, wie vor dem Auseinanderbau notiert.
Jetzt passt natürlich das Federende nicht mehr in das alte Federloch,
sondern es muss ein neues gebohrt werden, und das an genau der richtigen
Stelle! Hier ist Präzision und ein gutes Augenmaß gefordert! Es
gilt, den Platz für die neue Bohrung möglichst genau zu ermitteln,
wobei es auf Bruchteile eines Millimeters ankommt. Es ist sicher kein Fehler,
dazu eine Schublehre in Anspruch zu nehmen. Die Lage sollte nicht nur in
Längs-, sondern auch in Querrichtung genau stimmen, denn sonst schleift
die Feder an der Wand ihres Schachtes, geht schwer und macht Geräusche.
Die Markierung zum Bohren kann man zunächst gut mit einem wasserfesten
Filzstift machen, doch vor dem Bohren sollte man die Stelle ankörnen.
Für die Bohrung braucht man einen Bohrer mit 1 mm Durchmesser und am
besten eine elektrische Bohrmaschine.
Danach kann man einen neuen Versuch zum Zusammenbau des modifizierten
Schieberpakets machen. Das Ende der Feder sollte jetzt genau in die neue
Bohrung passen. Wahrscheinlich steht das Federende jetzt sehr schief durch das
Loch heraus. Das kann die erforderliche Bewegung von Feder und Schieberblech
gegeneinander behindern. Deshalb nochmals alles abbauen, Feder wieder raus, und
das Ende so zurecht biegen, dass es auf der Mitte des Schieberweges genau
senkrecht durch das Loch herausschaut. Möglicherweise sind dazu mehrere
Versuche notwendig, bis alles wieder passt.
Jetzt kann das Schieberpaket probeweise wieder ganz zusammen gebaut werden.
Eine Falle lauert noch beim Mundstück: dieses hat meist auf einer Seite
noch eine kleine, sehr unauffällige Aussparung für das Federende.
Deshalb ist es nicht egal, wie herum man es wieder aufsetzt!
Wenn nach dem Zusammenbau alles wie gewünscht funktioniert, sollte man das
Ganze nochmals wieder auseinander bauen - um es zu fetten! Ich verwende dazu
seit Jahren mit Erfolg Hirschtalg, den ich mit dem Finger dünn auf alle
Teile auftrage. Das vermindert die Reibung bei der Schieberbewegung, verhindert
das gefürchtete Steckenbleiben des Schiebers und dichtet auch noch das
Schieberpaket etwas gegen Luftverluste ab. Nach meiner Erfahrung wird
Hirschtalg nicht ranzig und muss nur sehr selten erneuert werden.
- Stimmplatten verschrauben
Um die Stimmplatten mit Schrauben zu befestigen, musst Du, nachdem Du die
Nägel entfernt hast, gucken, ob die Nagellöcher in beiden
Stimmplatten übereinander liegen. Das ist unter Umständen nicht bei
allen der Fall, denn die Nägel gehen ja nur von einer Seite in den
Körper hinein. Wenn das zutrifft, musst Du überlegen, welches von
jeweils zwei Nagellöchern du zum Verschrauben verwenden willst. Bedenke
auch, dass Du dann auch in die gegenüberliegende Stimmplatte an der
richtigen Stelle ein Loch bohren musst! Es empfiehlt sich wegen der
Luftdichtigkeit nicht weniger Schrauben zu verwenden als die ursprüngliche
Zahl der Nägel, die jeweils eine der Stimmplatten gehalten haben. Mehr
müssen es aber auch nicht unbedingt sein...
Dann musst Du dir passende Schrauben (M2 oder kleiner) und evtl. Muttern (wenn
Du kein Gewinde in die Stimmplatten schneiden willst) besorgen. Falls es
schwierig ist, solche auf zu treiben: Modellbaugeschäft ist ein guter
Tipp!
Dann musst Du die Nagellöcher sowohl in den Stimmplatten als auch im
Kanzellenkörper auf den erforderlichen Durchmesser aufbohren (Vorsicht
beim Einspannen!), am besten mit einem Handbohrer und viel Gefühl. Daran
kann das Vorhaben schon scheitern: mitunter gingen Nägel in die Wände
zwischen den Kanzellen, die aber nicht breit genug sind für solch eine
Bohrung! Unbedingt vorher prüfen!
Wenn Du in eine der Stimmplatten Gewinde schneiden möchtest, brauchst Du
dafür natürlich einen entsprechenden Gewindeschneider. Die sind in
normalen Läden (Baumarkt) in dieser Größe nicht zu kriegen,
möglicherweise aber im Modellbauhandel oder beim Optiker. Dann darfst Du
die entsprechenden Löcher natürlich auch nicht so groß
aufbohren wie auf der anderen Stimmplatte. Ich habe bisher immer Muttern
verwendet.
Hast Du alle Löcher mit dem erforderlichen Durchmesser gebohrt (und ggf.
Gewinde geschnitten), dann kannst Du die Stimmplatten jetzt mit dem
Kanzellenkörper verschrauben. Überstehende Schraubenenden musst Du
nötigenfalls kürzen, d.h. abkneifen oder - besser - sägen. Wenn
Du das vor dem Verschrauben machst - was zu empfehlen ist - unbedingt vorher
eine Mutter draufschrauben, die man dann hinterher wieder abschrauben kann und
die dabei das Gewinde wieder in Form bringt und freiräumt. In die
umgekehrte Richtung funktioniert das meist nicht!
Eine - sogar bebilderte! - Anleitung zum Verschrauben von Stimmplatten findet
man auch bei HarpOnline unter "Workshops".
Zwei Hinweise, die man nicht oft genug wiederholen kann Tipps zur ... Modellauswahl - allgemein - chromatische Mundharmonikas Verstärkung Wartung und Pflege Stimmen und Lösen Modifizieren - Linksverkehr - Stimmplatten verschrauben Diese Liste wird bei Gelegenheit erweitert! Wer Fragen hat, die hier nicht beantwortet werden, wird vielleicht fündig
bei HarpOnline, Chmel.at oder bei tafnac (alle deutsch) oder bei einem meiner Mundharmonika-Links. Wenn nicht, kann ich empfehlen, sich an der deutschsprachigen
Mundharmonika-Mailgroup "harpchat" zu beteiligen und die Fragen dort zu stellen. Man kann sich auch per e-mail direkt an mich wenden. Häufig gestellte Fragen Meine Mundharmonika-Veröffentlichungen Meine kleine Mundharmonikakunde Meine kleine Mundharmonikaphysik Mundharmonika-Links
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